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Fast
zwei Drittel der Bevölkerung
bekommen im Laufe Ihres Lebens Wirbelsäulenprobleme.
Die Therapie dieser Probleme beschränkt
sich oft auf die reine Schmerzreduzierung. Grund hierfür
ist oft eine Hilflosigkeit der Therapeuten, was die Erforschung
der Ursachen dieser Schmerzen angeht. Neben angeborenen und durch
einseitige Belastung verursachten Beschwerden ist häufig
auch das Kausystem mitverantwortlich für chronische und akute
Beschwerden im Bereich des gesamten Halteapparates.
Abgesehen von Unfällen sind die
Zähne die einzige Stelle im Körper, wo von außen eine Veränderung
der Oberfläche oder der Länge verursacht werden kann. Alle anderen
Knochen im Körper verändern ihre Länge nicht.
Das bedeutet, dass Beschwerden
wie Hüftverdrehungen, Skoliosen oder Beinlängendifferenzen
in erster Linie durch Störungen muskulärer Art verursacht
werden müssen.
Wie kommt nun die Beziehung
Zähne-Wirbelsäule zustande?
Betrachten wir zunächst
ein Beispiel am einzelnen Zahn: Im gesunden Kausystem hat
jeder Zahn ganz bestimmte Kontakte zu seinem Gegenzahn. In der
Regel sind die einzelnen Höcker zwischen den Seitenzähnen
auf ca. drei Kontakten abgestützt, so dass der Zahn nur senkrecht
belastet wird. Dies ist wichtig, da der Zahn elastisch im
Knochen aufgehängt ist und nur bei senkrechter Belastung
die Kaukraft gleichmäßig auf den umliegenden Knochen
verteilt wird.
Wird diese Kontaktbeziehung gestört, z.B. über einen
Verlust von Zahnsubstanz durch Karies oder verschlissene Füllungen,
so wird der Zahn möglicherweise gar nicht oder in die falsche
Richtung belastet. Die Folge ist eine Schädigung des
Zahnfaches, da der Körper dem erhöhten Druck nachgeben
muss. Es ist jedoch auch möglich, dass sich die Position
des gesamten Kiefers verändert, da der Körper immer
versucht, Widerständen auszuweichen oder diese zu beseitigen.
Dazu betrachten wir uns zunächst die
Position des Kiefers im gesunden Kausystem. Alle Kontaktpunkte
sind gleichmäßig verteilt, wenn der Kiefer seine Schlussbissposition
eingenommen hat. Kein Kontakt ist zu hoch oder zu niedrig, das
Kiefergelenk befindet sich in der Mitte, der Kiefergelenkknorpel
ist weder gequetscht noch verrutscht.

Was passiert, wenn z.B.
ein Zahn in diesem System
seine Ursprungshöhe verliert?
Der Körper versucht sofort, den Fehlkontakt
zu kompensieren.
Dies kann er zum Beispiel, indem er durch verstärkten Muskelzug
den Unterkiefer kräftiger anzieht. Natürlich werden dann die
Zähne, die zuvor richtig belastet wurden, nun stärker belastet.
Hier wird der Körper versuchen, durch den Abbau von Geweben
Entlastung zu schaffen. Dies bemerken Sie z.B. durch das Entstehen
von Defekten im Zahnhalsbereich, Bildung von Knochentaschen
oder durch Zahnlockerungen.
Natürlich kann bei Kompensationen dieser Art auch der Kiefergelenkknorpel
gequetscht werden. Bei dauerhaften Quetschungen wird der Knorpel
nachhaltig geschädigt und schließlich perforiert; er verändert
seine korrekte Lage und die vormals reibungslosen Bewegungsabläufe
sind gestört.
Sie bemerken dies an einem Knacken
im Kiefergelenk oder an einer schmerzhaften Entzündung (Capsulitis)!
Die Kaumuskulatur wird durch
diese Kompensation überlastet und verspannt. Häufig ist nächtliches
Zähneknirschen und Zungenpressen ein Indiz dafür, dass der Körper
Korrekturen am Kausystem vornehmen möchte. Nachfolgende Zeichnung
zeigt die möglichen Folgen im Kausystem.
Da unser Körper jedoch kompensationsfähig
ist,
wird er reflexartig an einer anderen
geeigneten Stelle ebenfalls Muskeln verkürzen, um dieses Gleichgewicht
wiederherzustellen.
Folge dieser Kompensation ist
in unserem Beispiel aber die Verkürzung zweier Muskelgruppen und,
damit verbunden, die Verdrehung der Wirbelsäule an diesen Stellen.
Muss der Körper dauerhaft kompensieren, wird hieraus ein mechanischer
Schaden an der Wirbelsäule entstehen. Die Kaumuskulatur spielt
in diesem System eine ganz bedeutende Rolle! Die Kaumuskeln sind
sehr stark und relativ kurz, so dass sie einen großen Hebel besitzen.
Abweichungen im Bereich der Bisslage von ca. 1mm haben im Tierexperiment
zu muskulären Kompensationen im Bereich der Wirbelsäule von bis
zu 1 cm geführt. Durch die nachfolgende Verdrehung des Becken
kann oft auch eine Beinlängendifferenz festgestellt werden (siehe
Zeichnung "Kompensation und Beinlängendifferenz")

Ein einfaches Experiment verdeutlicht die
Zusammenhänge:
Setzen sie sich gerade auf einen
Stuhl und schließen Sie vorsichtig den Mund bis zum ersten Zahnkontakt.
Merken Sie sich die Stelle, an der die Zähne aufeinandertreffen.
Legen Sie nun ein dickes Buch unter den rechten Beckenknochen
und versuchen Sie weiter aufrecht zu sitzen. Schließen Sie nun
wieder langsam den Mund bis zum ersten Zahnkontakt. Wiederholen
Sie den Versuch mit der anderen Seite.
Sie werden festgestellt haben,
dass die Auftreffpunkte der Zähne sich verändern, wenn
sich Ihre Sitzposition ändert.
Den gleichen Effekt gibt es auch
umgekehrt. Wenn die Auftreffpunkte der Zähne sich verändern,
so werden sich die Muskulatur und die Wirbelsäule daran anpassen
müssen. Leider dauert der Anpassungsprozeß so lange,
dass vom Patienten selten ein Bezug zu Veränderungen an den
Zähnen hergeleitet wird.
| Zusammenfassend
sollte immer erhöhte Aufmerksamkeit bestehen bei folgenden
Symptomen: |
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Verspannungen
im Nacken- und Schulterbereich |
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Kiefergelenk-Knacken |
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Eingeschränkte
Mundöffnung |
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Schmerzen
und Verspannungen im Bereich der Kaumuskulatur |
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Kopfschmerzen |
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Zahnhalsdefekte |
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Zahnlockerungen |
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Zahnempfindlichkeiten |
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Impressionen in Zunge und
Wange |
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Gesichtsasymmetrien |
Die Symptome sind im Zusammenhang mit Streß und
Belastung immer stärker, da die Muskelaktivität dann zunimmt.
Merke:
Ein mechanisch gesundes Kausystem reagiert auch unter Streß selten
mit Beschwerden! Die Auswirkungen solcher Fehlbelastungen
zeigen sich nicht nur im Bereich des Kausystems, sondern beeinflussen
auch das Geschehen im gesamten muskulären Halteapparat und der
Wirbelsäule. Dazu betrachten wir uns zunächst das Zusammenspiel
der Muskulatur, die unseren Körper in aufrechter Position hält.
Wir stellen uns eine Achse vor, die durch den Mittelpunkt des
Körpers geht. Um diese Achse herum arbeiten alle Muskeln in Harmonie
miteinander und halten den Körper durch gleichmäßiges Zusammenspiel
in aufrechter Position.
Werden auf einer Seite Muskeln verkürzt, so
bewegt sich der Körper aus diesem Gleichgewicht heraus, und wir
würden normalerweise umkippen.

Zunächst weiß der Zahnarzt nicht, in welchem
Zustand
der Patient zu ihm kommt.
Ist er gesund, befindet er sich in einer kompensatorischen
Phase oder ist er bereits auskompensiert? Dieses Wissen ist jedoch
von enormer Wichtigkeit für die weitere Therapie! Wenn ein Patient
in einem vorübergehenden Kompensationszustand oder in auskompensiertem
Zustand vom Zahnarzt eine Brücke oder Krone erhält, die zu diesem
Zustand passt, wird er in dieser Position fixiert.
Alle weiteren physiotherapeutischen Behandlungen
oder orthopädischen Behandlungen werden dann nur von kurzem Erfolg
sein. Das Kausystem stellt quasi einen Speicher für die eingestellte
Position dar. Nach jedem Kauen wird der Patient durch die Bisslage
in die fixierte Position zurückgeführt.
Eine zahnärztliche Arbeit macht nur dauerhaft Sinn,
wenn der Zahnarzt folgendes Wissen hat:
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An welcher Stelle befindet sich
der Kiefer des Patienten? |
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In
welchem Zustand ist dann die Kaumuskulatur und die Wirbelsäule? |
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Wie
stehen die Zähne zueinander? |
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Wo
müsste sich der Kiefer befinden, wenn die Muskulatur des Halteapparates
gesund ist? |
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Wie
müssten dann die Zähne und die Kiefer zueinander stehen? |
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Um dies herauszufinden, ist eine
intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig. |
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| In einem intakten Gebiss steht
jeder Zahn in einem ganz bestimmten Kontakt zum Gegenzahn.
So werden die Zähne gleichmässig belastet.
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| Wird der natürliche Kontakt
der Zähne beeinträchtigt, versucht die Kiefermuskulatur
dies durch stärkeres Anziehen auszugleichen.
Knacken im Kiefergelenk und Verspannungen in der Nackenmuskulatur
können die Folge sein. |
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Zahnärztlich empfiehlt sich die Durchführung einer
Funktionsanalyse.
Der instrumentelle Teil der Funktionsanalyse besteht
aus einer Vermessung der Beziehung Kiefergelenke, Zähne und Muskulatur,
einmal im Ausgangszustand und einmal nach entsprechender orthopädischer
oder physiotherapeutischer Vorbehandlung. Anhand der Modellanalyse
und der Differenzen zwischen Ausgangszustand und Endzustand kann
der Therapiebedarf ausgemessen werden. Durch Einschleifmaßnahmen
störender Frühkontakte, oder durch Aufbau fehlender Kontakte,
kann ein Ausgleich erfolgen und dauerhafter Therapieerfolg erzielt
werden.
Wichtig kann unter Umständen eine Erprobungsphase mit wiederholten
Kontrollen durch den Physiotherapeuten sein, damit beurteilt werden
kann, ob die korrigierte Bisslage zu einer dauerhaften Stabilität
des Halte- und Stützapparates führt.

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